
Die grafische Gestaltung einer Unternehmensmarke endet im modernen Wirtschaftsverkehr nicht bei Logos oder Briefköpfen, sondern beansprucht zunehmend auch die authentische Abbildung im Handelsregister. In einem richtungsweisenden Beschluss hat das OLG klargestellt, dass das Registergericht die Eintragung einer Firma in durchgehenden Großbuchstaben nicht unter Verweis auf eine bloße Verwaltungspraxis verweigern darf. Damit stärkt die Rechtsprechung die unternehmerische Gestaltungsfreiheit gegenüber formalistischen Restriktionen des HGB.
Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (OLG) hat entschieden, dass eine Kapitalgesellschaft die Eintragung ihres Firmennamens in das Handelsregister vollständig in Versalien verlangen kann, sofern dies keine unzulässige Irreführung darstellt. Die Richter hoben damit eine entgegenstehende Entscheidung des zuständigen Registergerichts auf und betonten, dass das materielle Firmenrecht des Handelsgesetzbuches (HGB) den Vorrang vor rein technischen oder organisatorischen Zweckmäßigkeitserwägungen der Registerführung genießt (OLG Frankfurt am Main, Beschl. v. 03.11.2025 – 20 W 194/25).
Identitätsschutz und ästhetische Registerführung
Der Streit entzündete sich an der Anmeldung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, deren Gründer im Gesellschaftsvertrag explizit festlegten, dass der Name der juristischen Person ausschließlich in Großbuchstaben – sogenannten Versalien – im Handelsregister erscheinen solle. Das Registergericht verweigerte diesen Antrag jedoch unter Berufung auf eine seit Jahrzehnten etablierte Übung. Man argumentierte dort, dass das Register vornehmlich der Identifikation diene und eine einheitliche Schreibweise, bestehend aus Groß- und Kleinbuchstaben, die Lesbarkeit sowie die Übersichtlichkeit fördere. Eine Abweichung hiervon wurde als unnötige Komplikation betrachtet, die zudem die Gefahr von Verwechslungen mit anderen Unternehmen erhöhen könnte.
Die Beteiligte wollte sich mit dieser Beschneidung ihrer Corporate Identity nicht abfinden. Sie legte Beschwerde ein und argumentierte, dass die gewählte Schreibweise ein wesentliches Element der Unterscheidungskraft und der Markenbildung darstelle. Die Vorinstanz war dieser Sichtweise noch mit dem Argument begegnet, dass das Handelsregister kein Werbemedium sei und grafische Sonderwünsche dort keinen Raum hätten. Erst in der Beschwerdeinstanz beim OLG fand die juristische Auseinandersetzung ihren vorläufigen Höhepunkt, als das Gericht die gesetzlichen Grundlagen der Firmenbildung gegen die administrative Tradition des Registerwesens abwägte.
Die Firma als Immaterialgüterrecht und Ausdruck unternehmerischer Freiheit
Der rechtliche Rahmen dieser Entscheidung ist im Firmenrecht der §§ 17 ff. HGB verankert. Die Firma ist der Name, unter dem ein Kaufmann seine Geschäfte betreibt und die Unterschrift leistet. Sie genießt als Namensrecht Schutz nach § 12 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) und stellt zudem einen bedeutenden wirtschaftlichen Wert dar. Grundsätzlich herrscht im deutschen Recht das Prinzip der Firmenfreiheit, welches lediglich durch das Gebot der Unterscheidungskraft (§ 18 HGB) und das Verbot der Irreführung (§ 18 Abs. 2 HGB) begrenzt wird.
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In der rechtswissenschaftlichen Literatur und der bisherigen Registerpraxis herrschte Uneinigkeit darüber, ob die Schreibweise Teil des Namens selbst oder lediglich ein grafisches Attribut ist. Während ältere Lehrmeinungen die Firma primär als Lautfolge begriffen, erkennt die moderne Auffassung an, dass im visuellen Zeitalter auch das Schriftbild zur Identität beigetragen hat. Die Registergerichte stützten sich bei ihrer ablehnenden Haltung oft auf die Handelsregisterverordnung (HRV), die technische Vorgaben zur Datenerfassung macht. Doch eine Verordnung kann die materiell-rechtlichen Befugnisse aus dem HGB nicht einschränken. Die rechtliche Einordnung des OLG folgt hierbei dem Grundsatz, dass das Register die Wirklichkeit so getreu wie möglich abbilden muss, sofern das Gesetz keine expliziten Schranken setzt.
Vorrang der Firmenwahrheit vor bürokratischer Vereinfachung
In der Sache gab das OLG der Beschwerde vollumfänglich statt. Es entschied, dass die Registerführung verpflichtet sei, den Firmennamen in der Weise zu übernehmen, wie er in der Satzung festgelegt wurde – inklusive der durchgehenden Großschreibung.
Das Gericht führte aus, dass es für eine Beschränkung der Schreibweise an einer gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage fehle. Eine bloße Verwaltungspraxis, die auf die Zeit der mechanischen Schreibmaschinen zurückgehe, könne im digitalen Zeitalter keine Geltung mehr beanspruchen. Vielmehr stelle die gewählte Schreibweise in Versalien ein zulässiges Mittel dar, um die Individualität des Unternehmens zu betonen. Das Gericht betonte zudem, dass durch die Großschreibung keine Gefahr einer Irreführung im Sinne des § 18 Abs. 2 HGB entstehe, da der Verkehr gewohnt sei, Firmennamen in unterschiedlichen grafischen Gestaltungen wahrzunehmen. Es handle sich bei der Versalienschreibung nicht um ein unzulässiges Bildzeichen, sondern um eine reguläre Verwendung des Alphabets, die im Rahmen der Namensgebung grundsätzlich frei wählbar sei.
Urteilsbegründung und rechtliche Konsequenzen
In den Urteilsgründen legten die Richter dar, dass das Recht der Gesellschafter zur Bestimmung des Firmennamens weit auszulegen sei. Die Annahme, dass eine Firma lediglich eine Folge von Lauten darstelle, greife im heutigen Wirtschaftsleben zu kurz. Vielmehr gehöre die gewählte Schreibweise zum Kern des Namensrechts, sofern sie sich innerhalb der gebräuchlichen Schriftzeichen bewege. Das OLG stellte fest, dass die Versalienschreibung weder die Übersichtlichkeit des Registers gefährde noch die technischen Kapazitäten der Justiz überfordere.
Des Weiteren berücksichtigte das Gericht, dass die Registerbehörden ohnehin in der Lage seien, komplexe Firmenkonstruktionen abzubilden. Ein pauschales Verbot der Großschreibung stelle daher einen unverhältnismäßigen Eingriff in die durch Art. 12 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) geschützte Berufsfreiheit und die allgemeine Handlungsfreiheit der Gesellschafter dar. Sofern keine spezifischen Verwechslungsgefahren bestünden, habe das Registergericht dem Gestaltungswillen der Gründer zu folgen.
Expertise im Gesellschafts- und Markenrecht
Die Entscheidung des OLG Frankfurt am Main markiert einen wichtigen Sieg für die unternehmerische Souveränität in Deutschland. Als Experten im Markenrecht unterstützen wir Sie dabei, Ihre Corporate Identity rechtssicher zu verankern – vom ersten Satzungsentwurf bis zur erfolgreichen Eintragung im Handelsregister.
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