Die Vorfreude auf ein Live-Konzert ist riesig, doch wenn eine Krankheit oder eine Terminüberschneidung dazwischenkommt, musst du gekaufte Eintrittskarten kurzfristig weitergeben. Wer Konzerttickets für Die Toten Hosen auf Online-Plattformen wie eBay, Kleinanzeigen oder Viagogo anbietet, riskiert jedoch teure Post vom Anwalt. Wir erklären die rechtlichen Hintergründe der aktuellen Abmahnwelle und zeigen, wie du dich richtig verhältst.

Wer Eintrittskarten für begehrte Konzerte wie die der Band Die Toten Hosen ergattert, freut sich auf ein unvergessliches Musikerlebnis. Verhindert eine plötzliche Absage den Konzertbesuch, liegt der Gedanke nahe, die Karten unkompliziert im Internet weiterzuveräußern. Viele Fans erleben daraufhin eine böse Überraschung: Abmahnkanzleien wie LDM Rechtsanwälte oder Schütz Rechtsanwälte verschicken im Auftrag der Kauf Mich GmbH – dem offiziellen Ticketvertreiber der Band – kostenintensive Abmahnschreiben. Gefordert werden neben der Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung oft mehrere hundert Euro Vertragsstrafe und Rechtsanwaltskosten. (LG Hamburg, Urt. v. 18.03.2021 – Az. 327 O 141/20)

Der Weg in die Abmahnfalle: Wie aus dem Ticketverkauf ein Rechtsstreit wird

Der Ablauf stellt sich für betroffene Musikfans meist vollkommen harmlos dar. Eintrittskarten werden regulär im Vorverkauf erworben, um die Show gemeinsam mit Freunden oder der Familie zu besuchen. Kannst du den Termin schlussendlich nicht wahrnehmen, stellst du die Karten ins Internet. Plattformen wie eBay oder Kleinanzeigen bieten eine enorme Reichweite, um schnell Abnehmer zu finden.

Die Allgemeinen Ticketgeschäftsbedingungen (ATGB) des Veranstalters verbieten diesen Weg jedoch regelmäßig explizit. Nach den ATGB der Kauf Mich GmbH ist der Verkauf von Eintrittskarten ausschließlich zur privaten, nicht-kommerziellen Nutzung gestattet. Das Anbieten von Tickets auf nicht autorisierten Drittplattformen wie eBay, Kleinanzeigen, Viagogo oder StubHub ist ausdrücklich untersagt. Dies gilt selbst dann, wenn du gar keinen Gewinn erzielen möchtest und das Ticket zum Originalpreis oder darunter abgibst.

Sobald Testkäufer oder automatisierte Überwachungssoftware der Rechteinhaber entsprechende Angebote im Netz entdecken, ermitteln die Anwälte die Daten des Verkäufers. Es folgt ein Abmahnschreiben mit konkreten Forderungen: Die Abgabe einer lebenslang bindenden Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, die Zahlung einer Vertragsstrafe von meist 300 bis 500 Euro sowie die Übernahme von Rechtsanwaltskosten. Zudem drohen Ticketstornierungen und die Sperrung für zukünftige Vorverkäufe.

Der juristische Rahmen: Warum Veranstalter Weiterverkaufsverbote durchsetzen dürfen

Rechtlich bewegen sich die Ticketbedingungen im Spannungsfeld des AGB-Rechts nach den §§ 305 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) sowie des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Während früher umstritten war, ob ein Veranstalter dem Käufer die Weiterveräußerung seines Eigentums nach § 903 BGB einschränken darf, hat die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs die Position der Veranstalter in Teilen gestärkt.

Veranstalter haben ein berechtigtes Interesse daran, den gewerblichen Schwarzmarkt einzudämmen, überhöhte Resell-Preise zu verhindern und die Sicherheit bei Großveranstaltungen zu gewährleisten. Ein Verbot des Ticketweiterverkaufs in AGB ist nach gefestigter Rechtsprechung wirksam, sofern dem Verbraucher zumutbare Ausweichmöglichkeiten für eine private Weitergabe eingeräumt werden. (BGH, Urt. v. 11.09.2008 – Az. I ZR 74/06)

Das OLG Karlsruhe bestätigte in einem Grundsatzurteil, dass Klauseln in Ticket-AGB, die den Weiterverkauf über nicht autorisierte Internetplattformen verbieten, den Erwerber nicht unangemessen benachteiligen im Sinne von § 307 BGB. Dies gilt insbesondere, wenn der Veranstalter ein eigenes, kontrolliertes System zur Umpersonalisierung oder eine offizielle Zweitmarkt-Plattform zur Verfügung stellt. (OLG Karlsruhe, Urt. v. 25.10.2012 – Az. 6 U 86/11)

Gefährlich wird es für Verkäufer vor allem dann, wenn sie mehrere Tickets anbieten. Gerichte werten das wiederholte oder mehrfache Anbieten schnell als gewerbliches Handeln oder als gezielte Behinderung des Veranstalters nach § 4 Nr. 4 UWG. In solchen Fällen steigen die angesetzten Streitwerte rasch auf bis zu 40.000 Euro, was zu drastisch höheren Rechtsanwaltsgebühren führt. (LG Hamburg, Urt. v. 18.03.2021 – Az. 327 O 141/20)

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Wirksame Vertragsstrafen und Unterlassungserklärungen: Wie Gerichte die Abmahnungen bewerten

In gerichtlichen Auseinandersetzungen stützen die Abmahner ihre Zahlungsansprüche primär auf vertragliche Schadensersatzansprüche sowie auf vereinbarte Vertragsstrafen gemäß § 339 BGB. Wer bei der Ticketbestellung den ATGB zustimmt, geht ein wirksames Vertragsverhältnis ein. Bietet der Käufer die Karte anschließend entgegen den Bedingungen auf eBay an, liegt eine schuldhafte Pflichtverletzung nach § 280 Abs. 1 BGB vor.

Das Landgericht Hamburg entschied in vergleichbaren Verfahren zur Durchsetzung von Ticket-AGB, dass pauschalierte Vertragsstrafen in Höhe von mehreren hundert Euro wirksam sind, wenn sie dem Schutz des vertraglichen Vertriebssystems dienen und nicht ersichtlich außer Verhältnis zum Verstoß stehen. (LG Hamburg, Urt. v. 18.03.2021 – Az. 327 O 141/20)

Ein weiterer zentraler Punkt ist die sogenannte Wiederholungsgefahr. Nach ständiger Rechtsprechung indiziert ein einmal begangener Verstoß die Gefahr, dass die Handlung in Zukunft erneut begangen wird. Diese Vermutung lässt sich juristisch nur durch die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung ausräumen. Die von den Abmahnkanzleien mitgeschickten Entwürfe sind jedoch häufig zu weit gefasst und enthalten ein einseitiges Schuldanerkenntnis. (BGH, Urt. v. 17.07.2008 – Az. I ZR 168/05)

Wir raten dir dringend davon ab, die vorgefertigten Erklärungen ungeprüft zu unterschreiben. Eine abgegebene Unterlassungserklärung bindet den Erklärenden lebenslang als eigenständiger Vertrag. Bietest du später versehentlich erneut ein Ticket fehlerhaft an, wird sofort die vereinbarte Vertragsstrafe fällig.

Wirksame Verteidigung bei Abmahnungen: Wir stehen an deiner Seite

Hast du eine Abmahnung wegen des Weiterverkaufs von Konzertkarten erhalten? Zahle die geforderten Beträge keinesfalls vorschnell und unterschreibe keine vorformulierten Erklärungen. In vielen Fällen sind die geltend gemachten Anwaltskosten überhöht, die Vertragsstrafen fehlerhaft berechnet oder die AGB-Klauseln im konkreten Einzelfall gar nicht wirksam in den Vertrag einbezogen worden.

Wir prüfen dein Schreiben eingehend auf formelle und inhaltliche Mängel. Wir formulieren für dich eine modifizierte Unterlassungserklärung, die nur das Nötigste abdeckt, ohne dich übermäßig zu belasten. Zudem verhandeln wir mit der Gegenseite, um die finanziellen Forderungen deutlich zu reduzieren oder komplett abzuwehren.

Melde dich jederzeit bei uns für eine Erstberatung – wir setzen uns engagiert für deine Rechte ein und schützen dich vor teuren Fehlern!

hekem